Sport im Ramadan?

Viele Menschen, ob gläubig oder nicht, verbinden mit dem islamischen Fastenmonat Ramadan lediglich den Verzicht von Essen und Trinken tagsüber. Viele vergessen, dass es darüber hinaus um sehr viel mehr geht, als nur um das Nicht- Verzehren von Nahrungsmitteln, die uns sonst selbstverständlich erscheinen.

Bei der heutigen Auswahl in Supermärkten versinkt der Mensch beim Befriedigen der Grundbedürfnisse im Überfluss. Dieser Überfluss spiegelt sich in vielen Bereichen unseres Lebens wider. Damit wir darin nicht ertrinken schenkt uns der Ramadan die Möglichkeit, um alltägliche Situationen aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Mit dem Ziel, dass wir danach Erfahrenes in unseren Alltag übernehmen.

Inwiefern der ein oder andere es für nötig hält dadurch seinen Alltag umkrempeln zu müssen, entscheidet jeder für sich. Doch dies aufgrund des Verzichts von Essen und Trinken zu tun, um den Monat zu „überstehen“ ist nicht Sinn und Zweck. So kommt es, dass Menschen, die gerne oder aber auch gezwungenermaßen sportlich aktiv sind, dies in dieser Zeit vermeiden.

Wieso wir gerade in einer Zeit, die wir nutzen sollten, um Geist und Körper zu bereinigen nicht auf Sport verzichten sollten?

Der Islam gehört zu den Religionen, die sich aufgeschlossen gegenüber dem Körper und seinen Bedürfnissen zeigt1. Während die Ansichten bezüglich unseres Körpers im Christentum auseinander gehen, herrscht im Islam eine einstimmige Meinung darüber. Unser Körper ist nämlich eine bewahrungswürdige Gabe Gottes, deren geistiges und leibliches Wohlbefinden gepflegt werden muss. Denn der Körper ist es, der es uns ermöglicht fünfmal am Tag das Gebet zu verrichten und auch er ist es, der einen Schritt vor den anderen setzt, um die Pilgerfahrt zu bestreiten und vieles mehr für uns tut.

Selbstverständlich werden wir keine Verweise im Qur´an dafür finden, ob oder wie wir Sport treiben sollen. Dafür ist der Begriff „Sport“ zu modern und noch nicht lange genug etabliert. Doch die Sunna unseres Propheten Muhammad (s.) offenbart uns, dass dieser seinen Gefolgsleuten empfahl sportlich zu sein. (Auf die genauen Zusammenhänge werde ich in einem anderen Beitrag genauer eingehen.)

Unsere Ausreden körperlich fordernde Tätigkeiten aufzuschieben, gewinnen zu oft die Überhand. Der Ramadan sollte (genau so wenig wie jede andere Ausrede auch) nicht ausschlaggebend dafür sein, dass man Bewegung, Spiel und den damit verbundenen Spaß vernachlässigt. Natürlich ziehen wir die Energie, die wir normalerweise aufbringen, um sportlich aktiv zu werden, aus unserer Nahrung. Zu glauben, dass ein mehrstündiger Nahrungsverzicht gleichzeitig bedeutet auf den Fahrstuhl warten zu müssen, anstatt die Treppen zu nehmen, ist lediglich eine Frage der Einstellung.

Auch ich habe meinen Alltag umstrukturiert und gleichzeitig so weitergeführt wie vorher. Der Unterschied besteht darin, dass mich mein leerer Magen nicht nur daran erinnert wie wichtig und toll Essen ist, sondern vor allem daran, dass sich ein höherer Nutzen für mich bietet. Durch die gewonnene Zeit, die ich durch das Fasten habe, habe ich mehr Zeit meinem Imam nachzugehen. Gleichzeitig habe ich ausreichend Zeit, um meinen alltäglichen Herausforderungen nachzugehen. So habe ich neben meinen Verpflichtungen immer genug Zeit eingeplant, um mich fit zu halten. Für mich persönlich hat sich dafür die beste Zeit vor dem Essen geboten. An alle, die glauben, dass sie am Ende des Tages kaum noch Kraft besitzen. Denkt einmal daran, dass ihr es nicht wissen könnt, solange ihr es nicht ausprobiert.

Last but not least: Befolgt keine vorgeschriebenen Pläne, die euch jedes Mal die Motivation aufs Neue suchen lassen. Probiert lieber so viel wie möglich aus, um herauszufinden, was für euren Körper am besten ist und vor allem wo eure Grenzen liegen! 

1Dagmar, D. (2009). Zum Verständnis von Körper, Bewegung und Sport in Christentum, Islam und Buddhismus. Impulse zum interreligiösen Ethikdiskurs zum Spitzensport. Berlin: LogosVerlag.

6 Kommentare zu „Sport im Ramadan?

  1. Hi Seher,
    mir gefällt dein Beitrag gut und ich halte sehr viel von den Fastentradition in den verschiedenen Religionen.
    Was treibst du denn während dem Ramadan für Sport?
    Allerdings sehe ich es als Sportwissenschaftler etwas kritisch, dass ihr während eurer Fastenzeit nichts trinken dürft (also Wasser 😉 ). Die Hypohydration (Dehydration) spielt auch im Sport eine wichtige Rolle.
    Wie geht es dir wenn du erst Abends etwas trinken darfst?
    Ansonsten finde ich deinen Beitrag Klasse

    Viele Grüße
    der Sport Rebell

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    1. Hey Sport Rebell,
      vielen Dank für das Feedback, es freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt 🙂

      Zu meinem Trainingsplan an Ramadan:

      Ich habe im Ramadan mein Training in 4×12-15min Einheiten gesplittet. Dabei habe ich, (weil ich das sonst auch mache) immer alle Muskelpartien, das heißt Ganzkörper , allerdings mit einem Muskelschwerpunkt (2. & 3. 10min), trainiert. Das praktische bei dieser Form ist, dass du nach jedem Teil selbstständig entscheiden kannst, ob du weiter machst oder nicht, ohne einen Trainingsverlust zu erzielen. Denn der erste Teil beinhaltete aufbauende ganzkörperliche Belastungen. Die Intensität ist niedrig-mittel(kann individuell angepasst werden) und spezialisierte sich aufs „warm werden“ der Muskeln. Mit jeder weiteren Einheit habe ich die Intensität erhöht und den Belastungsumfang gleich gelassen. Den Fokus habe ich ab der 2. Einheit angesetzt und nach der 3. beendet. Die letzten 10min habe ich als Cool-down genutzt, sodass es lediglich Überwindung gekostet hat den 3.Teil zu beenden.
      Ich habe größtenteils mit meinem eigenen Körpergewicht gearbeitet. Nach Belieben lässt sich auch mit Gewichten arbeiten. Hierbei sollte man lediglich darauf achten, dass man die Energiebereitstellung durch die Nahrung (ungesättigte Fettsäuren und Proteine) zum iftar reguliert. Gut zu wissen ist auch, dass ich immer so trainiert habe, sodass ich nach dem Training direkt essen kann. So konnte ich nach einem Wasser und einer Dattel erstmal meine Proteine zu mir nehmen und den Muskelabbau entgegenkommen. Viele meinen hier, dass Training auf nüchternen Magen sofort zum Muskelabbau führt. Das ist jedoch wissenschaftlich gegen bewiesen.
      Also zusammenfasst habe ich muskelaufbauend mit einer Kombination aus Kräftigung- und Ausdauerübungen trainiert

      Selbstverständlich ist der Wasserverzicht, besonders an heißen Tagen, einer der größten Herausforderung. Hier darf man jedoch nicht vergessen, dass es im Ramadan darum geht ein Gleichgewicht zwischen Seele und Körper herzustellen. Ramadan heißt übersetzt „Hitze“ bzw. auch „Trockenheit“. Das bekräftigt, dass der Wasserverzicht dazu beiträgt dieses Ziel zu erreichen.

      Ich muss sagen, ich habe den Ramadan sehr genossen und extrem gute körperliche wie auch seelische Fortschritte machen können. So sehr ich nur hauptsächlich Wasser zu iftar konsumieren wollte, habe ich mich versucht zu zügeln und erst etwas Nahrung zu mir zu nehmen. Denn das Problem wenn man zuerst Wasser trinkt, ist das Völlegefühl, das entsteht und total unangenehm ist 🥴🤰🏽.

      Meiner Meinung nach ist der Ramadan bzw. das Fasten eine einzigartige Erfahrung, die man selbst erleben muss. Dennoch hoffe ich, dass ich dir mit meiner Antwort helfen konnte.

      Ganz liebe Grüße,
      deine Seher 😀

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