Die Ruhe vor dem Sturm

Ramadan. – Eine Herausforderung, auf die wir uns gefreut haben und respektvoll angetreten sind, „geht vorbei“.

Ramadan 2020. – Eine Herausforderung, auf die wir uns zögerlich gefreut haben und respektvoll hineingewachsen sind, „geht vorbei“. Unvergleichbar zu den vorherigen Jahren und doch birgt sich, wie jedes Jahr, die Gefahr des Vergessens darin.

Ob unvergesslich oder nicht. Was bedeutet es hinzunehmen, dass der Monat Ramadan „vorbeigeht“?

Wie wir alle wissen ist der Ramadan eine Möglichkeit, die uns Allah gibt, um unsere Herzen von Fehltaten zu bereinigen und als besinnlicher Mensch hervorzugehen. Das körperliche Fasten ist dabei ein Mittel, das uns dieses Ziel immer wieder vor unser geistiges Auge führt.

Etwas vorbeiziehen zu lassen bedeutet, dass wir uns im Unterbewusstsein darauf einstellen vergangenes hinter uns zu lassen. So auch vergangenes aus den letzten 30 Tagen. Eine Zeit, die schneller vorbeigegangen ist als erwartet.

Immer dann, wenn wir eine Herausforderung mit Begeisterung angehen, vergeht die Zeit, in der wir etwas lernen, schneller und besser als wir es erwarten. Immer dann, wenn etwas besser, als erwartet ausgeht, ist das Resultat besser, als wir es bisher kannten und somit am besten. Das besondere ist, dass Wenn-Dann Beziehungen unsere Gewohnheiten bestimmen.

In der Regel braucht der Mensch 21 – 30 Tage, um eine Gewohnheit zu entwickeln. Es ist schwieriger alte Gewohnheiten zu ändern, als sich neue anzueignen. Sich an Neues zu gewöhnen ist nämlich immer mit Aufwand verbunden. Durch den Ramadan haben wir die Vorbereitung und damit den Aufwand, die der Mensch braucht, um eine Gewohnheit zum Lebensstil zu übernehmen, schon geschaffen. Nun liegt es an uns, dass wir diese Gewohnheiten beibehalten.

Aus sportlicher Sicht leistet unser Körper durch den Verzicht von Essen einen wichtigen Beitrag dazu, um das Fasten erfolgreich zu meistern. Erfahrenes aus dem Ramadan beizubehalten bedeutet, dass wir unseren geistigen Tätigkeiten, ohne körperliches Fasten weiterführen. Dies ähnelt besonders der Zeit vor dem Ramadan. Haben wir vorher nicht auch zum Beispiel, ohne auf Nahrung zu verzichten, regelmäßig das Gebet verrichtet? Durch, das Fasten sollte uns bewusstwerden, dass unser Körper untrennbar mit unseren Glaubenssätzen verbunden ist.

Unsere Gewohnheiten werden durch unsere innere Motivation, sprich unseren Glaubenssätzen, gesteuert. Die meisten unserer Glaubenssätze entwickeln wir unbewusst im Laufe der Zeit, in der wir Erfahrungen sammeln. Durch den Ramadan beschäftigen wir uns bewusst mit diesen, die uns sonst unbewusst im Alltag antreiben. Aufgrund der Umstände, nämlich der, dass der Monat einen sehr hohen segensreichen Stellenwert hat, haben wir unsere Glaubenssätze sowohl verstärkt wie auch neu wahrgenommen.

Nun verfällt die Spiritualität des Fastenmonats, zum Beispiel gekennzeichnet durch die Harmonie des Zusammenseins beim Fastenbrechen mit der Familie und Menschen, die dieselben Glaubenssätze vertreten. Die Gefahr des Vergessens, wie am Anfang des Textes erwähnt, birgt sich nun darin, dass sich unser Alltag erneut umstrukturiert und unsere Motivation dabei untergeht. Wir verfallen nämlich nicht nur in eine Rücksichtslosigkeit gegenüber unserem Körper, sondern vergessen, dass dieser die Voraussetzung dafür ist unseren Glauben ausleben zu können. Und dass, obwohl wir jeden unsere Glaubenssätze unserer Selbst willen vertreten.

Dieser Selbstzweck ist sowohl im Sport als auch im Islam entscheidend. Im Sport bildet die Motivation, nämlich das Fundament aller Tätigkeiten. Wir beschließen nicht nur Allahs Willen zu Liebe zu fasten, sondern unserer selbst willen. Genauer gesagt, um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. So beschließen wir uns auch, unserer selbst willen, Zeit für unseren Körper zu nehmen. Oder ist es je im Leben vorgekommen, dass du dich unwillentlich körperlich betätigt hast, um festzustellen, dass sich kein Nutzen für dich ergeben hat?

Der Ramadan ist ein besinnlicher und einzigartiger Monat. Das, was uns nach der Zeit erwartet ist ein Sturm aus Gefühlen und Herausforderungen, die wir nicht in solch einer Atmosphäre gegenübertreten, wie wir sie die letzten Tage erleben durften. Um dem entgegenzukommen, sollten wir denselben Weg wählen, wie auch im Ramadan. Während wir unseren Körper im Ramadan dazu genutzt haben unsere Fehltaten zu bereinigen, sollten wir ihn nun nutzen, um zukünftigen Fehltaten entgegenzukommen.

Der Sport ist eine Bereicherung, um alltägliche körperliche wie auch geistige Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Die Menschen entscheiden sich besonders dann, wenn der Schmerz am größten ist dazu Gewohnheiten zu ändern. Den Sport zu einem Bestandteil seines Lebens zu machen, wenn die Herausforderungen kaum zu stemmen sind, wird sich als weitere Last erweisen. Als Diener Gottes warten wir nicht auf den richtigen Zeitpunkt, an dem es sich anbietet, neues zu erfahren oder Erfahrenes anzuwenden. Wir nutzen die nächste Gelegenheit, um unsere neu erfahrenen Gewohnheiten einzuleiten und fortzuführen.

Das Wichtigste was wir mitnehmen müssen, um uns vor dem Sturm zu wappnen:

Wir brauchen nicht den Ramadan, um unsere Glaubenssätze auszuleben. Wir haben eventuell auch zuvor schon fünfmal am Tag gebetet und uns gerne mit unserem Glauben auseinandergesetzt. Der Ramadan zeigt uns unter anderem, dass wir mit Hilfe unseres Körpers unsere Glaubenssätze ausführen und uns diese vor unser geistiges Auge geführt werden. Er ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern untrennbar durch unsere Taten mit unserem Geist verbunden.

Lassen wir nicht zu, dass Erfahrenes aus dem Ramadan vorbeigeht. Nutzen wir die Gelegenheit, die sich jetzt bietet, um Gelerntes anzuwenden. Wäre alles andere nicht vergeudeter Aufwand?

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